Jeden Dienstag Vormittag trifft sich eine Seniorengruppe im Botanischen Garten zur gemeinsamen Gymnastik. Die Männer und Frauen stehen in mehreren Reihen im Kreis auf der Wiese, einige tragen Sportsachen, andere Jeans, an einem Ort frei von Kleidervorschriften. Ihre Fahrräder lehnen an den Bäumen. Die Sonne steigt langsam an den blauen Himmel und scheint durch die Blätter ringsum. Die Alternden heben ihre Arme, senken sie wieder, breiten sie aus, atmen tief. Jeder ein wenig anders, jeder wie er (noch) kann. Die Bewegungen sind unvollkommen, asynchron. Es sind Bewegungen, die um ihrer selbst willen geschehen. Gerade darin werden sie schön. Dann strecken sie die Arme aus und beugen sich nach vorn. Für einen Moment scheint es, als verbeugten sie sich, als wollten sie sich dankbar zeigen einem Leben gegenüber, das sie hier wieder und wieder versammelt. Das ihnen die Gabe geschenkt hat, schön zu finden: den Himmel, die Sonne, die Blätter, die eigene Unvollkommenheit. Sie lehnen sich nicht auf gegen ihr Schwinden, sie stellen es nicht aus. Sie nehmen es an. Genügen sich. Und bejahen gemeinsam weiter. Ihre Bejahung wärmt.

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