Die Abendsonne wirft ein warmes Licht auf die Biertischgarnitur vor der Universitätsbibliothek. Neben mir sitzt ein angegrauter Mann im karierten Hemd und Socken in den Sandalen.  Er rezitiert Texte aus seinem Arabisch-Lehrbuch und klopft dabei im Rhythmus der gesprochenen Worte auf den Biertisch. Er klopft entschieden, klopft auch mit den Füßen, schwingt mit dem ganzen Körper und sucht nach der korrekten Aussprache wie nach einem Schatz. Um uns herum treffen sich lose Bekanntschaften zu industriell gefertigten Kuchenstücken. Zwei urteilen, auf ein Telefon starrend, über den gemeinsamen digitalen Freundeskreis. Sie können sich einigen: wir stehen über ihnen. Als sie verschwinden, tauchen zwei Freundinnen auf und schießen Selfies. Erst eins, dann zwei, dann immer mehr. Währenddessen rezitiert der Mann immer weiter. Er ist eine jener Erscheinungen, die man auf der Straße als erstes übersieht. Hier und jetzt aber, ist er der einzige, dessen Handeln von Hingabe zeugt. Durch das rhythmische Klopfen und den Klang seiner Worte spricht die Ahnung von der neuen Welt, die sich mit dem Erlernen der Sprache erschließen wird. Dieser Welt will er sich hingeben, ihr schenkt er seine gesamte Aufmerksamkeit.

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