Foto: Martin Trabalik

Blind und verstummt

Die Welt gehüllt ins Alltagsgewand
Seh nicht Freud, nicht Leid
Und schon gar nicht aus dem Land

Dorthin wo sie nicht meine Sprache sprechen
wo gerade jetzt wieder
Lebenswellen an echten Problemen brechen

Bin blind geworden und verstummt
Warum?
Hab doch alles noch im Kopf

Das Weinen
die nicht enden wollenden Fragen
auf die ich keine Antwort kenn
Wer zurück blickt sieht sich verlieren
wer an sich herunter blickt
weiß nicht was er sieht
wer nach vorn blickt
sieht einen Zaun
Komm, lass uns lieber
einander in die Augen schauen

Das Lachen
tobende Kinder
auf Schultern getragen
für eine Augenblick groß
Halt sie beim Tanz
Halt sie am Ball
Halt sie davon ab, wieder aufzuschlagen

Die Nähe
trägt schlechtes Schuhwerk
hat im Rucksack keinen Platz
will neu erschaffen sein
Das geteilte Essen
das geteilte Zelt
warum nicht?
In die lange Umarmung
mischt sich Gewissheit
wir teilen auch die Welt

Die Hoffnung
wie sie am Lagerfeuer singt
von den Ohren
langsam in die Herzen dringt
weil sie stark ist
weil sie muss
weil sie allein das Weiter bringt

Bin blind geworden und verstummt
Warum?
Hab doch alles noch im Kopf

Könnt nur der Kopf
so fühlen wie das Herz
Könnt nur das Herz
so viel ertragen wie der Kopf

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